Veranstaltungen im Rahmen des Doktoratsprogramms

Im Rahmen des Doktoratsprogramms werden verschiedene Veranstaltungen speziell für Doktorierende angeboten oder sind für deren Besuch geeignet.
Jedes Herbstsemester findet eine Graduiertentagung statt, in der hiesige und auswärtige Doktorierende sowie renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Vorträgen und zur Diskussion eingeladen werden. Alle Doktorierenden sind gebeten, sich rege zu beteiligen.
Zudem gibt es fachspezifische Forschungsseminare und Kolloquien sowie ein interdisziplinäres Forschungsseminar, in dem schwerpunktmässig fachübergreifende, methodisch-theoretische Themen angegangen werden.

Graduiertentagung 2018

Konstruktion von Geschichte und «erfundene Traditionen»

Internationale Graduiertentagung
3. und 4. Dezember 2018
Bildungszentrum Mission 21
Tagungsraum «Lingua Franca»

10.00 Dr. Veronika Sossau, Amanda Gabriel MA (Universität Basel): Begrüssung und Einleitung

Tod und Bestattung

10.15 Dr. Andreas Effland (DAI Kairo): Das Tal des Todes - Zur diachronen Traditionsüberlieferung einer mythologisierten Landschaft

11.10 Marina Sartori (Basel): Back to Grey: Royal Tombs of the New Kingdom in (Retro-) evolution

12.15 Matthias Hoernes (Universität Innsbruck): Kontinuität im Grab: Nachbestattungen und Vergangenheitsbezüge im vorrömischen Südapulien

Mythos und Religion

14.00 Prof. Dr. Angela Ganter (Universität Regensburg): Kultur- statt Militärmacht? Überlegungen zur Unterbrechung der thebanischen Herakleia im 3. Jh. v. Chr.

14.55 Jacqueline Huwyler (Basel): Near Eastern Deities as Tradition in LBA Egypt: Preliminary Evidence for Their Role Among Migrants

15.30 Lena Vitt (Universität Frankfurt am Main/DAI Rom): Sardinien im Wandel - ökonomische und soziale Veränderungen als Ursache für die sakrale Wiedernutzung von bronzezeitlichen Nuraghen in punisch-römischer Zeit auf Sardinien?

Architektur und Bilder

16.30 Prof. Dr. Dominik Maschek (Universität Oxford): The Roman amphitheatre: an invented tradition

17.25 Philipp Frei (Basel/Bern): Aus Alt mach Neu, aus Neu mach Alt. ‘Erfundene’ Traditionen und Archaismen in der Bildwelt des Alten Orients

Konstruktion von Identitäten

10.00 Dr. Lukas Rösli (Universität Zürich): Fornaldarsögur (Vorzeitsagas), Die Konstruktion einer nordgermanischen Vorzeit in der altnordischen Literatur

10.55 Philipp Gleich (Basel): Die Erfindung der „Dorfgemeinschaft“? Bürgerliche Gesellschaftsbilder vs. Lebenswirklichkeit in jungsteinzeitlichen Feuchtbodensiedlungen des frühen 3. Jahrtausends v. Chr. nördlich der Alpen

11.30 Rahel Ackermann (Basel): Tradition contra Innovation: zeitgenössische Darstellungen von Münzstätten in Mittelalter und Neuzeit

12.30 Bernhard Schirg (Universität Erfurt): Antiquarismus und archäologische Praxis zur schwedischen Großmachtzeit - der Fall von Olof Rudbecks Atlantica (1679-1702)

13.25 Ann-Kathrin Stähle (Basel): Mythifizierung der Gegenwart – Geschichtskonstruktion bei Sidonius Apollinaris

Zur Erleichterung unserer Planung möchten wir Sie bitten, sich bis zum 25.11.18 über den Button verbindlich anzumelden, wenn Sie an der Tagung und besonders an den Mittagessen und/oder am gemeinsamen Abendessen teilnehmen möchten.

Tagungen vergangener Jahre

Graduiertentagung 2017

Postkoloniale Antike? Alterität und Macht in den Altertumswissenschaften
am 4. und 5. Dezember 2017 im Bildungszentrum 21

Im Anschluss an die Vorgängertagungen von 2011–2014 möchte die diesjährige Graduiertentagung des Doktoratsprogramms der Basler Altertumswissenschaften (DBAW) danach fragen, inwieweit die von den Postcolonial Studies erarbeiteten Konzepte und Theorien auch für die Antike fruchtbar gemacht werden können. Der Schwerpunkt soll dabei auf Alterität und Machtverhältnissen liegen: Alterität meint die Konstruktion und Konstituierung des „Anderen“ (Other), gegen den eine gesellschaftliche, politische, kulturelle und wirtschaftliche Überlegenheit und Fortschrittlichkeit behauptet werden kann. Die dadurch gefestigten imperialen Strukturen sind von einer Asymmetrie der Machtverhältnisse gekennzeichnet, welche die unterworfene indigene Bevölkerung in ein Verhältnis der Subalternität drängt.

Figurationen von Zeit in Antike und Altertumswissenschaften

im Bildungszentrum 21

Die Altertumswissenschaften befassen sich mehr noch als andere Disziplinen mit dem Phänomen "Zeit", das sie bereits im Namen tragen. Die Erforschung des Vergangenen, seine Bezüge zu Gegenwart und Zukunft, die Dokumentation zeitlicher Abläufe in ihren Relikten stellen alltägliche Forschungsbereiche aller altertumswissenschaftlichen Disziplinen dar. Geichzeitig weisen die Altertumswissenschaften selbst ein beeindruckendes Alter auf und beschäftigen sich nicht nur mit ihren Gegenständen, sondern auch mit der Wahrnehmung von Zeit in verschiedenen Phasen der Wissenschaftsgeschichte.

Im Zentrum der diesjährigen Tagung des Doktoratsprogramms der Basler Altertumswissenschaften stehen somit sowohl antike Auffassungen von Zeit als auch deren Wandel bis in die Gegenwart. Die Interdisziplinarität der Tagung erlaubt eine Vielfalt von Herangehensweisen: Diskutiert werden so verschiedene Bereiche wie das Einteilen in Phasen und Epochen, die Messbarkeit der Zeit, die Vergegenwärtigung von Vergangenheit durch Erinnerung, die Möglichkeiten der Rekonstruktion und ihre Grenzen, die Darstellung der Zeit durch Bild und Metapher. Hierbei überschneiden sich Darstellung und Dargestelltes: Gerade das Thema Zeit erfordert in der Auseinandersetzung mit zeitlich weit entfernten Kulturen das Denken über die eigene Vorstellungswelt hinaus und erlaubt durch das Abstrahieren vom modernen Zeitbegriff eine Annäherung an antike Modelle der "Figurationen von Zeit". 

Organisation

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Narrative in antiken Kulturen und in den Altertumswissenschaften

Mission 21

Erzählen ist eine elementare kommunikative Funktion des Menschen. So hat nicht nur das gemeinschaftsstiftende mündliche ‚Geschichtenerzählen am Lagerfeuer’ eine immanente soziale Dimension, sondern kreieren narrativ angelegte Texte und Bilder auch Identitäten oder begründen Herrschaftsansprüche einzelner Akteure oder Gruppen. Narrative ermöglichen es, mit gesellschaftlichem Wandel und Brüchen umzugehen, und bieten Erklärungen dafür an. Im Zuge eines narrative turn wird das Forschungsparadigma Narrativität daher seit geraumer Zeit auch in wissenschaftlichen Feldern ausserhalb der Literaturwissenschaft breit rezipiert. Im Fokus stehen dabei besonders die Hervorhebung der lebensweltliche Bedeutung von Narrativen in ihren kulturellen und situativen Ausprägungen und die Untersuchung der an die Narrative gebundenen Medien sowie deren gattungsspezifische Implikationen für die Gestaltung der Erzählungen. Die diesjährige Graduiertentagung möchte sich daher dieses Themas annehmen. 

Da narrative Formen nicht nur vielen unserer Quellen zu eigen sind, sondern auch das wissenschaftliche Arbeiten selbst prägen, indem – bewusst oder unbewusst – Daten in eine erklärende Erzählung gebettet werden, soll auch das narrative Bezugssystem der altertumswissenschaftlichen Fachtraditionen kritisch reflektiert werden. Die von den einflussreichen Exponenten der Fächer entworfenen Erklärungsnarrative wirken oft bis in unsere Zeit fort. Master narratives wie die Glorifizierung von Zentralgewaltszeiten (Golden Ages vs. Dark Ages) oder die Entstehung des Individuums sind wirkmächtige mentale Grundmuster. Wissenschaftler sind immer von ihrer eigenen Zeit, von aktuellen gesellschaftlichen Diskursen beeinflusst, was ihre Sicht auf die vergangenen Zeiten prägt. Somit stehen nicht nur die Formen und Funktionen der antiken Narrative im Fokus der Tagung, sondern es soll ebenfalls eine intensive Reflexion über die Methoden der altertumswissenschaftlichen Forschung und den Umgang mit Metanarrativen erfolgen.

Norm und Sonderfall.
Kulturelle Phänomene des Altertums zwischen Regularität, Distinktion und Devianz

Es ist ein anthropologisches Grundbedürfnis, natürliche und kulturelle Phänomene nach Relationen der Ähnlichkeit und der Verschiedenheit zu ordnen. Dabei werden Normen definiert, denen ein Phänomen entspricht oder von denen es abweicht. Solche Normsetzungen können zunächst deskriptive Funktion haben, indem sie das gehäufte Vorkommnis eines Sachverhalts als normal beschreiben. Sie können aber auch eine präskriptive Funktion ausüben, wenn festgelegt wird, was als ‚normal’ oder erstrebenswert gelten darf. Innerhalb jeder Gruppe, Gesellschaft oder Kultur werden Normen fortwährend neu ausgehandelt und diskutiert, sie werden eingeübt, verstetigt und durchgesetzt, kritisiert, negiert oder unterlaufen. Als stillschweigend vorausgesetzte oder ausdrücklich formulierte Regulative stiften sie Orientierung und leiten den Menschen in seinem Handeln an. Dabei impliziert die Setzung der Norm stets auch Abweichungen und Sonderfälle, ohne die sie begrifflich nicht triftig sein kann: Erst in der gegenseitigen Bedingtheit von Normsetzung und Sonderfall und in den Diskursen der Rechtfertigung und Kritik, die diese begleiten, gewinnt der Begriff an Kontur.

Die diesjährige Tagung des Doktoratsprogramms der Basler Altertumswissenschaften fragt nach der Bedeutung der Strukturbeziehung von Norm und Sonderfall für die Kulturen des Altertums und deren wissenschaftliche Erforschung. Damit nähert sie sich einer Reihe von Fragen an, die derzeit in den unterschiedlichsten Teilbereichen der altertumswissenschaftlichen Forschung präsent sind wie die Diskussion über Leitbilder, über Welten jenseits der Norm, über Verschiebungen im Wertgefüge vergangener Gesellschaften – etwa am Beginn der Klassik, am Ende der römischen Republik oder im Aufstieg des Christentums – sowie die ästhetische Umsetzung solcher Phänomene. Im interdisziplinären Gespräch sollen solche Forschungsbemühungen mit Blick auf die Dichotomie von Norm und Sonderfall aufgegriffen und kritisch diskutiert werden. Nicht zuletzt soll die Frage auch als methodologische Herausforderung zur Sprache kommen.