16 Okt. 2026
Zeit: 18:15  - 20:00

Ort: Rosshof, Raum 306

Veranstalter: Doktoratsprogramm Altertumswissenschaften

Veranstaltungen, Kolloquium / Seminar, Weitere Events

Interdisziplinäres Graduiertenkolloquium der Altertumswissenschaften im HS 2026

Das Interdisziplinäre Graduiertenkolloquium der Altertumswissenschaften bietet Doktorierenden und fortgeschrittenen Masterstudierenden die informelle Plattform, aktuelle Forschungen zu teilen und gemeinsam zu diskutieren. Explizit sind auch Masterstudierende eingeladen und erhalten Einblick in verschiedene Forschungsprojekte wie auch in die Organisation von Dissertationsvorhaben.

Die beiden Kolloquien im Herbstsemester finden jeweils am Freitagabend, dem 16. Oktober (im Rosshof, Raum 306) und am 13. November 2026 (im Rosshof, Raum 306), von 18:15 bis ca. 20:00 Uhr statt. Anschliessend sind alle eingeladen zum informellen Beisammensein und weiteren Austausch in der Spalebar (Spalenberg 53). Eine Anmeldung zur Teilnahme ist nicht erforderlich. 

Für weitere Fragen stehen Nathalie Hertig (nathalie.hertig@unibas.ch) und Simon Bühler (simon.buehler@unibas.ch) jederzeit zur Verfügung.

Programm für Freitag, den 16. Oktober 2026

Juan del Caño Cobo (Klassische Archäologie) 
The Phoenician Maritime Transport Containers of Cyprus: Understanding the relationship between Cyprus and the Levant during the Archaic and Classical Periods
Abstract: Phoenician Maritime Transport Containers (PMTC) provide important evidence for understanding long-distance trade, economic interaction, and patterns of consumption in the Iron Age Mediterranean. Despite extensive research on Phoenician amphorae in the Eastern Mediterranean, Cyprus remains understudied, with no comprehensive analysis of these vessels despite their widespread presence across the island. 

This project is focused on PMTC from Cypriot contexts dating to the Archaic and Classical periods (8th–4th centuries BCE). By examining material from necropoleis, palaces, sanctuaries, and domestic contexts associated with the different city-kingdoms, we aim to investigate the role of these containers within the diachronic trade networks connecting Cyprus, the Levant, and the wider Mediterranean. 
The research combines a systematic typological study with macroscopic fabric analysis, supported by archaeological drawings and photographic documentation of published and unpublished contexts all around the Island. Based on this study, archaeometric analyses undertaken within the DIDO Project will contribute to refining the chronology and provenance of PMTC and assessing the possibility of local production in Cyprus, a long-standing debate within Cypriot Archaeology. 
The study aims to reconstruct changing patterns of connectivity between Cypriot and Levantine communities, examine transformations in exchange networks in the wider Eastern Mediterranean under Neo-Assyrian, Egyptian, and Persian influence, and explore how the circulation and consumption of imported goods contributed to social identities and ideological practices within the Cypriot city-kingdoms. 

Ole Siems (Alte Geschichte) 
„Romanisierung“ oder „state-making“ – Ein neuer Blick auf Roms italische Bundesgenossen im zweiten Jahrhundert vor Christus 
Abstract: In meiner Dissertation plane ich, mich mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung von Samnium und Kampanien im zweiten vorchristlichen Jahrhundert zu beschäftigen. Während meines Vortrags möchte ich in erster Linie die theoretischen Grundlagen meiner Arbeit vorstellen. Ein zentraler Aspekt moderner Untersuchungen zu diesem Thema ist die Frage der „Romanisierung“ Italiens, die weiterhin umstritten ist. Lange wurde Rom als eine Bringerin von Zivilisation verstanden, der es im Gegensatz zu den griechischen Kolonien Süditaliens gelang, das italische Hochland und seine Bewohner zu „zähmen“. 
Kritiker des klassischen Narrativs der „Romanisierung“ bringen dabei zu Recht an, dass einige der Prozesse, die im Allgemeinen unter Romanisierung gefasst werden (insbesondere die Monumentalisierung von Bauwerken), in vielen italischen Gemeinden früher begann als in Rom selbst. Stattdessen argumentieren sie oft für eine Hellenisierung Italiens oder eine Art von „Auto-Romanisierung“ und betonen dabei die Handlungsmacht lokaler, nicht-römischer Eliten.  
Beide Narrative teilen allerdings einige fundamentale Probleme. Zu Grunde liegt ihnen in erster Linie ein Narrativ von historischem Fortschritt von einer „primitiven“ Gesellschaft, die sich durch ethnische Gruppenzuordnungen und die Abwesenheit von staatlichen Strukturen auszeichnet, hin zu stadtstaatlicher und später flächenstaatlicher Organisation. Sie unterscheiden sich lediglich in der Frage, ob römischer Einfluss für diese Entwicklung notwendig war oder ob es den Italikern möglich war, sich selbst zu „zivilisieren“. Darüber hinaus neigen diese Narrative dazu, die Handlungsmöglichkeiten jenseits der gesellschaftlichen Eliten unsichtbar zu machen oder nicht zu beachten.  
Aus diesem Grund möchte ich eine alternative Lesart der römisch-italischen Beziehungen und der Entwicklung Italiens vorschlagen, die auf den Untersuchungen des Anthropologen James Scott zu den Themen Staatsbildung und Staatsvermeidung basiert. In meinem Vortrag werde ich zum einen zeigen, warum ich Scotts Überlegungen, die ursprünglich im Kontext einer Untersuchung über Süd-Ost-Asien entstanden, für auf das eisenzeitliche Italien anwendbar halte. Zum anderen möchte ich demonstrieren, welche Vorteile eine Untersuchung dieser Veränderungen unter dem generischen Label von „state-making“ im Gegensatz zur Fokussierung auf Rom als Akteur, die in jedem Romanisierungsdiskurs unabwendbar ist, haben kann. Zuletzt hoffe ich darlegen zu können, wie uns die von Scott beschriebenen Staatsvermeidungsstrategien nicht nur mit einem Ansatz ausstatten, die Handlungsfähigkeit von Nicht-Eliten in diesem Prozess sichtbar zu machen, sondern auch dazu beitragen können, die wenigen Episoden italischer Geschichte in einem neuen Licht zu sehen, die für unsere antiken Historiker von Interesse waren, wie zumBeispiel die Unterdrückung des Bacchuskults in Italien oder die Gründungsorte, Zeitpunkte und Bürgerrechtsbestimmungen römischer Kolonien auf der Halbinsel. 

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